Schnäppchen

Kürzlich schrieb mir eine Freundin eine WhatApp um mich auf Aktionen für Wein (incl. homedelivery) oder Bettwäsche hinzuweisen.

Ich so: Bin grad am Fasten!

Sie so: Désolée. Ich war mir echt nicht bewusst, dass Bettwäsche (notabene vergünstigt/von M, keine Luxusmarke) auch darunter fiel…

Ich so: Wenn es Aktion ist, frage ich umso mehr, ob ich neue Bettwäsche brauche. Nein, brauche ich nicht!

So strange dieser Chat für mich war mitten in meiner Heilfastenwoche, so typisch ist er für uns alle. Wir sind sehr verführbar. Aber ich bin wirklich überzeugt, dass wir wegkommen müssen von unserer wachstums- und konsumorientierten Wirtschaft. Die Fastenzeit könnte uns zur Einsicht bringen, dass die Zeit des sorgenfreien Konsums vorbei ist. Es gibt verschiedenste Gründe, warum das so ist. Wir verbrauchen zu viele Ressourcen. Die Arbeitsbedingungen für die Herstellung unserer günstigen Produkte sind oft genug nicht menschenwürdig. Die Belastung der Natur durch unseren Konsum hat schon längst gefährliche Dimensionen angenommen.

Wir dürfen also aus der Fastenzeit den Impuls zu übernehmen, ob unser Kaufimpuls jeweils tatsächlich umgesetzt werden soll. Will ich das wirklich? Brauch ich das auch? Wenn ich einen Tag warte bis zum Kaufentscheid, will ich es dann noch immer oder ist es einfach Ausdruck einer momentanen Stimmung?

Ehrlich gesagt, wie lange währt die Freude, wenn ich mir ein Schnäppchen ergattere?

Vielleicht steckt ja oft einfach eine Unzufriedenheit, eine schlechte Laune, eine Einsamkeit oder eine innere Leere dahinter. Es wäre nachhaltiger sich um diese Stimmungen und Gefühle zu kümmern und etwas dagegen zu tun.

Wir sind geprägt von unserer Wirtschaft mit ihren Mechanismen. Sie hat schon längst nicht mehr zum Ziel, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Ihr zentraler Motor ist Wachstum und Profit. Das muss sich wieder ändern. Melanie Gajowski hat kürzlich in einem Gespräch erwähnt, dass die Tatsache, dass die Wirtschaft uns so prägt, zur Folge hat, dass die Wirtschaft sich zuerst verwandeln muss. Die Modelle sind da. Care Ökonomie und Gemeinwohlökonomie zeigen den Weg. Der Weg wird nicht leicht sein und viele werden in grosse Schwierigkeiten kommen. Machen wir uns bereit, dass wir uns darin gegenseitig begleiten und stützen. Und gewöhnen wir uns schon an einen Lebensstil, der sich nicht aus dem Konsum nährt.

Ein Gedanke zu „Schnäppchen“

  1. Auf dem Heimweg, nach unserer “Wanderung” durch den Schanzengraben am Dienstag, haben mich die Einkaufswütigen im Tram mit ihren Taschen fast ein wenig angödet. In diesen Tagen merke ich gut, dass ich so vieles nicht brauche und auch, dass ich ja schon so viel besitze.
    Am Dienstagabend habe ich auf Arte die Sendung “Fast Fashion” geschaut. Diese Sendung zeigt unter welchen unglaublich schlechten Bedingungen Kleider hergestellt werden. Meine Kleider kaufe ich alle in Secondhand-Läden und es ist spannend dort gute Sachen zu finden. Aber ich habe ja schon genug davon.

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