Was macht satt?

Wir kennen es alle: manchmal sind wir einfach unersättlich. Wir haben den Drang, immer mehr zu wollen, zu tun, zu konsumieren.

Oft heisst es ja auch, unsere Zeit sei so unersättlich geworden.
Früher seien Menschen viel genügsamer gewesen. Aber stimmt das wirklich? Wenn ich die Propheten wieder lese, komme ich zu einer anderen Annahme. Schon immer hatten Menschen das Gefühl, sie müssten sich mit allem Möglichen eindecken, um zufrieden, um satt zu werden.

So schreibt beispielsweise Jesaja im 55 Kapitel:

Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!
Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst,
kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch!
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen!

Das Gefühl nicht satt zu werden, zu kurz zu kommen, sich vieles mit Geld leisten zu wollen, um zufrieden zu sein, scheint tief in unserer Seele eingeschrieben zu sein.

Für mich bietet das bewusste freiwillige Fasten eine wunderbare Möglichkeit, meine Konsummuster zu überprüfen. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass ich vieles konsumiere und auch tue, um mich irgendwie lebendig, geliebt und umsorgt zu fühlen. Doch irgendwie klappt das nicht, es ist wie ein Fass ohne Boden.

Vorerst: ich liebe feines Essen und zelebriere es gern mit lieben Menschen.

Und natürlich bin auch ich dankbar für das, was ich für meinen Lebensunterhalt arbeiten und leisten darf. Das gehört zu unserem erfüllten Menschsein. Gleichzeitig: Was ich durch meine Leistung bekomme, was ich „mir leisten kann“, kann mich nicht wirklich satt machen, kann meinen Durst und Hunger nach erfülltem Leben nicht nachhaltig stillen.

Ach, wie viel Leistung und Aktivität muten wir uns selber zu, nur um in unserer Liebesbedürftigkeit gesehen und genährt zu sein!

Hoffentlich verpassen wir dabei nicht, was es umsonst gibt, wenn wir denn unser Ohr neigen. Wenn wir aufmerksam werden für die kleinen Dinge des Alltags, die es alle umsonst gibt.
– ein sorgsamer Umgang mit uns und unserem Körper
– die Natur geniessen
– ein Lachen, das ich schenke oder empfange.
Ja und vor allem auch die Aufmerksamkeit für die, die nicht wählen können, die wirklich Hunger haben: zu wenig Essen, zu wenig sinnvolle Tätigkeit, zu wenig Zuwendung.

Sich ihnen zuzuwenden kann wirklich satt machen – vielleicht viel mehr als das Viele, das wir ständig zu brauchen meinen.

2 Gedanken zu „Was macht satt?“

  1. Schön, von Euch aus Zürich zu lesen und zu hören! Wir in Luzern sind auch gerade am Beginn unserer Fastenwoche zum Thema “Was nährt mich im Leben?” Wir sind gerne in Verbindung mit Euch.
    Eine gute und auf ihre Art erfüllende und nährende Woche wünsche ich allen!

  2. Schön zu hören, dass ihr auch unterwegs sein mit dem Fasten. Wie organisiert ihr eure Woche mit den Corona-Restriktionen?
    Wir bespielen ja verschiedenen Kanäle rund um 40tage.ch

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