Basics zum Heilfasten

Ich freue mich jedes Jahr auf diese Woche Heilfasten. Beim Heilfasten erfahre ich sehr intensiv, wie stark verschiedene Ebenen zusammenhängen. Sobald ich mich gedanklich auf das Fasten einzustellen beginne, passiert auch spürbar etwas mit meinem Körper. Und je mehr ich mich mit meiner Umwelt verbinde, umso nachhaltiger, intensiver und gleichzeitig einfacher ist die Fastenerfahrung. Deshalb ist es gut, sich über verschiedene Ebenen und Phasen des Fastens bewusst zu werden.

Ich beschreibe im folgenden drei Dimensionen und vier Phasen des Fastens

Drei Dimensionen des Fastens

  1. Körperliche Dimension

«Der Verzicht nimmt nicht. Er gibt. Er gibt die Grösse des Einfachen.» Martin Heidegger

Seit Jahrhunderten wird Fasten als natürliches Heilverfahren zur Schonung und Regenerierung betrachtet, das ganzheitliches Wohlbefinden fördert. Wenn dem Körper keine Nahrung mehr zugeführt wird und er zur Energiegewinnung keine Kalorien von aussen erhält, greift er auf seine eigenen Energiereserven zurück. Der Körper stellt auf «innere Ernährung» um und die Leber beginnt, die Fettreserven im Körper zur Energiegewinnung heranzuziehen. Der Magen-Darm-Trakt erhält seine verdiente Ruhe vom kraftraubenden Verdauungsprozess. Dadurch stellt sich nach ein paar Tagen ein Gefühl von Leichtigkeit ein.

2. Spirituelle Dimension

«Was die Augen für die äussere Welt sind, ist das Fasten für die innere Welt.» Mahatma Gandhi

Die spirituelle Dimension zeigt sich im Fasten durch einen leichteren Zugang zu anderen Bewusstseinszuständen, die in allen grossen Weltreligionen und in den Achtsamkeitsschulen angestrebt wird. Fastende vermögen ansatzweise in ein Gefühl der tiefen Verbundenheit zu gelangen. Dabei können auch alte Verhaltensmuster aufgebrochen werden. Die spirituelle Herausforderung besteht darin, diesen freien Raum wachsen zu lassen. Oft entsteht daraus eine harmonische Stimmung – bis hin zu Glücksgefühlen. Für mich persönlich ist dieser Aspekt viel wichtiger als der körperliche.

3. Soziale Dimension

«Wir wissen zwar, dass wir nach dem Fasten wieder essen können, doch können wir uns leichter vorstellen, wie Hungernde leiden müssen.» Niklaus Brantschen

Verzicht macht offen für die Not des Anderen. Menschen, die fasten, neigen dazu, sich gegenseitig zu unterstützen und toleranter miteinander umzugehen. Für uns ist Fasten ein freiwilliger Verzicht. Weltweit gesehen steht Fasten aber oft in Bezug zu Hunger. Es ist für viele Menschen auch ein Versuch, mit Hungersituationen pragmatisch umzugehen. Dieser Zusammenhang findet sich auch in unserer Geschichte. Im Frühling gingen früher auch bei uns die Wintervorräte langsam zur Neige. Bis die Natur wieder genügend frische Nahrung bot, setzte dann der Hunger ein. Deshalb findet unsere Fastenzeit traditionell auch heute noch im Frühling statt. Darüber hinaus hat Fasten auch eine gesellschaftspolitische Dimension. Nicht zuletzt ist es eine Praxis, die Mahatma Gandhi wie auch Martin Luther King auf ihrem Weg der Befreiung geführt und genährt hat. Auch heute kann Fasten diese Wirkung entfalten. Sei es im Kleinen, durch feinfühligere Wahrnehmung des Nächsten oder im Grossen, durch einen Gesellschaftswandel zu einem bewussten Umgang mit unserer Nahrung und überhaupt einem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen. Der freiwillige Verzicht ist ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen, die auch heute noch hungern und unter dem Folgen unseres exzessiven Konsums leiden. In diesem Jahr sensiblisieren die kirchlichen Hilfwerke für die Klimagerechtigkeit. Fastengruppen spenden den Gegenwert ihres Verzichts gerne zugunsten der Menschen, die nicht selbst entscheiden können, wie viel oder wie wenig auf ihrem Teller liegt.

Vier Phasen des Fastes

Das Fasten ist eine intensive Erfahrung für deinen Körper und deine Seele. Deshalb braucht eine Fastenzeit eine gute Vor- und Nachbereitung.

Wir können vier Phasen unterschieden.

  1. Entlastungstage

Für den Verlauf der Fastenkur macht es einen haushohen Unterschied, ob wir unseren Körper, aber vor allem auch unseren Geist auf das Wegbleiben von Nahrungsaufnahme vorbereiten. Je früher wir mit der Vorbereitung beginnen, desto leichter geht die Fastenwoche.

2. Darmentleerung
Wenn von oben nichts mehr nachschiebt, ist es notwendig, den noch im Darm befindlichen Stuhl mit dem Hilfsmittel deiner Wahl nach draußen zu befördern. Ansonsten würde der Stuhl sehr lange im Darm verweilen und es kann so zu einer Art Rückvergiftung kommen. Außerdem ist die Darmentleerung für den Körper gewissermaßen ein Startschuss, der das Hungergefühl stark reduziert bzw. es bei den meisten Menschen ganz zum Verschwinden bringt.

3. Fastentage
Jezt begin die eigentlichen Fastentage.

4. Fastenbrechen und Aufbautage
In der letzten Phase der Fastenkur müssen wir unsere Verdauungsorgane wieder an die Nahrungsaufnahme gewöhnen. Würden Sie sofort wieder „normal“ essen, machten wir die positiven Effekte des Fastens wieder zunichte.
Schade eigentlich, oder?

2 Gedanken zu „Basics zum Heilfasten“

  1. Darmentleerung gibt es in verschiedenen Zusammenhängen, auch zum Beispiel bei einer Darmspiegelung.
    Kurzfristige Darmreinigung kann bedenkenlos angewendet werden. Es ist sogar oft angesagt, weil durch Ernährungsgewohnheiten oder durch Medikamente unsere Darmflora gestört ist. Dann werden schädliche Keime ausgeschieden.

    Danach kann es sinnvoll sein, mit einem probiotischen Präparat gutartige Bakterienstämme zu verabreichen. Wie zum Beispiel auch nach einer Behandlung mit Antibiotiko.

    Meist reicht aber eine bewusste Ernährung. Tips für eine für die Darmflora bekömmliche Ernährung gibt es z.B. hier:
    https://www.hohenzollern-apotheke.de/service/wissenswertes/darm-immunsystem-darmflora-verbessern/

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